Hrabal und der Mann am Fenster
Hrabal und der Mann am Fenster - von Bernhard Setzwein
Ein Mann mit Feldstecher, Heft und Stift sitzt am Fenster und beobachtet die nachbarliche Datscha.
Hrabal und der Mann am Fenster
Ein Mann sitzt am Fenster, ausgerüstet mit Fernglas, Notizbuch und Stift. Sein Blick gilt dem Nachbargrundstück – einer kleinen Sommerhütte, die einst dem berühmten Schriftsteller Bohumil Hrabal (1914–1997) gehörte. Im Dienst der Geheimpolizei hat er den Autor über Jahre hinweg überwacht und sorgfältig Bericht erstattet. Doch seit einiger Zeit ist der Dichter verschwunden.
Eines Tages klopft eine Frau an seine Tür. Sie erzählt, dass die Vergangenheit unwiederbringlich vorbei sei und Hrabal vermutlich den Freitod gewählt habe. Noch überraschender: Die angeblich vertraulichen Aufzeichnungen des Spitzels haben ihren Weg nie zu dessen Vorgesetzten gefunden. Die Besucherin bittet darum, die Hefte einsehen zu dürfen – ihr Traum ist es, aus der verlassenen Hütte ein Museum für den Dichter zu machen.
In der Nacht nach diesem Gespräch geschieht das Unfassbare: Hrabal selbst tritt in Erscheinung. Zwischen dem verstorbenen Schriftsteller und seinem einstigen Beobachter entwickelt sich ein poetisch-verträumter Dialog über Leben, Tod und Erinnerung.